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Sind Privatschulen die besseren Schulen?

Sind Privatschulen die besseren Schulen?

So die provozierende Frage der ZEIT-Podiumsdiskussion am 20. Februar in der Hamburger Bucerius Law School. In kritischer Runde wurden Meinungen und Positionen diskutiert und ausgetauscht. Zu einem klaren Ergebnis kamen die Diskutanten nicht, was sicherlich auch nicht das Ziel gewesen war.

Sind Privatschulen die besseren Schulen?
Foto: Henning Angerer

Hamburg. Jungiusstraße. Bucerius Law School. Moot Court. Podiumsdiskussion. Das ist das Setting, in dem in moderierter Viererrunde diskutiert wurde. Unter der Fragestellung „Sind Privatschulen die besseren Schulen?“ hat das ZEIT-Ressort CHANCEN in Deutschlands erste private Hochschule für Rechtswissenschaften mit Promotions- und Habilitationsrecht geladen. 
Der Moot Court ist ein Auditorium: Rund und geräumig ist es, weiße Wände und große Fenster dominieren den Raum, mit seiner Empore wirkt er erhaben. Die Veranstaltung ist gut und bunt besucht: Lehrer und Schulleiter in großer Zahl, Eltern mit ihren Kindern, einige Privatschüler und sonstige am Thema Interessierte – vor allem wohl Unternehmer – nehmen im Moot Court Platz.

Wer diskutiert hier?

Die strittigen Diskutanten sind: Gabriele Behler (ehemalige Kultusministerin in Nordrhein-Westfalen und Sozialdemokratin), Bernhard Bueb (ehemaliger Leiter Schule Schloss Salem und Autor „Lob der Disziplin“), German Denneborg (Ministerialdirigent am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus) und Stefanie Keller (Diplompädagogin, Personal- und Organisationsentwicklerin und Mutter eines Sohnes, der ein Internat besucht). Die Moderation der Gesprächsrunde übernimmt Thomas Kerstan, der Ressortleiter der ZEIT CHANCEN.

Nach der Vorstellungsrunde präsentiert Kerstan den Ablauf der Diskussion: Zunächst soll die Eingangsfrage „Sind Privatschulen die besseren Schulen?“ beantwortet, dann ein kurzer Überblick über Zahlen und Fakten gegeben, anschließend zunächst das Thema aus Sicht der Eltern und Schüler und dann aus der gesellschaftlichen Perspektive betrachtet werden. Im Anschluss daran wird die Diskussion für die große Runde geöffnet.

Sind Privatschulen die besseren Schulen?

Diese Frage wird von der Diskussionsrunde unterschiedlich beantwortet. Kurz und knapp: zweimal Ja, einmal Nein, einmal Jein. Gabriele Behler verneint die Frage: Sie ist der Meinung, dass Privatschulen Spiegelbild öffentlicher Schulen seien, allerdings eine größere Leistungsspezifizierung anböten. Stefanie Keller meint Ja – nämlich solange öffentliche Schulen denken, dass sich Schüler der Schule anpassen müssten, und Bernhard Bueb sagt ebenfalls Ja, da das Problem vieler öffentlicher Schulen die Finanzierung sei. German Denneborg zeigt ein bipolares Bild: Dass Schüler öffentlicher Schulen mehr lernen, sie an privaten Schulen aber umfassender betreut würden. So gestalten sich die grundsätzlichen Meinungen, die federführend für die sich anschließende Diskussion sind.

Boomen Privatschulen?

Mit einem kurzen Diskurs auf die Zahlen und Fakten führt Kerstan an, dass von keiner Explosion der Privatschulen zu sprechen sei: Seit 1992 steige die Zahl der Privatschulen kontinuierlich, vor allem im Osten Deutschlands – dies sei jedoch auf das Fehlen von Privatschulen in der ehemaligen DDR zurückzuführen. 1992 waren fünf Prozent aller Schulen in privater Hand, heute seien es etwas mehr als sieben Prozent. Der Anstieg ist im Osten mit 40 Prozent, im Westen mit 16 Prozent zu verzeichnen. Die Anzahl der Privatschüler sei mit einer Zahl von 5.000 sogar relativ konstant. Kerstan sagt zudem, dass es keinen PISA-Knick gebe, das Bild der Privatschulen nicht das Bild einer Elite sei und die meisten Privatschulen in konfessioneller Trägerschaft seien.


 

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